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Warum innere Orientierung wichtiger ist als gute Absichten

Viele von uns – besonders Eltern – geben täglich sehr viel.
Sie sind präsent, zugewandt, reflektiert. Sie bemühen sich, es gut zu machen.
Und dennoch gibt es diesen Zustand, der schwer zu greifen ist.

Eine innere Leere.
Eine Müdigkeit, die tiefer sitzt als Erschöpfung.
Fast so, als würde man funktionieren aber nicht mehr ganz bei sich sein.

Im Außen scheint alles zu laufen.
Im Inneren fühlt es sich eng an.

Wenn Bedürfnisse begleitet werden sollen,

ohne die eigenen zu kennen

In meiner Arbeit begegnet mir immer wieder ein ähnliches Muster:
Menschen, die sehr fein wahrnehmen können, was andere brauchen
und gleichzeitig kaum Zugang zu dem haben, was sie selbst brauchen.

Das ist kein Zufall.

Viele Erwachsene haben nie gelernt,
eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, ernst zu nehmen oder auszusprechen.

Sätze aus der Kindheit wirken oft bis heute nach:

  • „Stell dich nicht so an.“

  • „Das ist doch nicht so schlimm.“

  • „Sei nicht so egoistisch.“

Zwischen den Zeilen lag eine klare Botschaft:
Deine Bedürfnisse sind zu viel.

Was früher Anpassung war,
zeigt sich heute oft als innere Überforderung.

Bedürfnis oder Schuldgefühl?

Nicht alles, was sich wie ein Bedürfnis anfühlt,
entsteht aus echtem innerem Kontakt.

Viele Impulse entstehen aus alten Schuldgefühlen
oder aus dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden.

Ein Beispiel aus dem Alltag:
Du gibst in deiner Beziehung nach, weil dir dein Bedürfnis „eh nicht so dringend“ vorkommt.
Du sagst dir, du hättest ein starkes Bedürfnis nach Harmonie.

Oft steckt dahinter jedoch etwas anderes:
eine alte Angst, dass Streit gefährlich ist.
Dass Nähe verloren geht, wenn Konflikte auftauchen.
Dass man brav sein muss, um verbunden zu bleiben.

In solchen Momenten regulieren wir nicht die Situation
sondern unsere eigene innere Unruhe.

Viele Menschen leben nicht bedürfnisorientiert,
sondern schuldgetrieben.

Das ist anstrengend.
Und auf Dauer erschöpfend.

Wenn der Körper spricht

Gereiztheit, Ungeduld, Rückzug oder Tränen wegen Kleinigkeiten
sind keine Zeichen von mangelnder Kompetenz.

Sie sind Signale.

Der Körper meldet sich,
wenn innere Grenzen dauerhaft übergangen werden.

Nicht, um zu sabotieren,
sondern um auf etwas Wesentliches hinzuweisen.

Die Schuld, die viele empfinden,
wenn sie an sich denken,
ist selten eine erwachsene Reaktion.

Oft ist es die Stimme eines angepassten inneren Anteils,
der gelernt hat:
Meine Bedürfnisse sind falsch.

Bedürfnisorientierung bedeutet nicht Selbstaufgabe

Eine wirklich bedürfnisorientierte Beziehung
schließt niemanden aus, auch nicht einen selbst.

Sie bedeutet:

  • Beide haben Bedürfnisse.

  • Beide dürfen sie benennen.

  • Es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Ein einfaches Beispiel:

Ein Kind möchte spielen.
Der Erwachsene ist erschöpft.

Nicht bedürfnisorientiert wäre:

  • „Okay, wir spielen.“ (Die eigene Grenze wird übergangen.)

  • Oder: „Ich muss arbeiten.“ (Eine Rechtfertigung statt Ehrlichkeit.)

Bedürfnisorientiert heißt:

„Ich sehe, dass du spielen möchtest.
Und ich merke, dass ich gerade müde bin und eine Pause brauche.
Lass uns schauen, was für uns beide möglich ist.“

Das ist klar.
Das ist ruhig.
Das ist erwachsen.

Innere Orientierung statt Selbstoptimierung

Viele Menschen scheitern nicht an mangelnder Liebe
oder fehlendem Engagement.

Sie scheitern an fehlender innerer Orientierung.

Innere Orientierung entsteht nicht durch Checklisten
oder durch den Versuch, alles „richtig“ zu machen.

Sie entsteht, wenn wir beginnen zu verstehen:

Das ist kein schneller Prozess.
Und es ist nichts, was du immer allein leisten musst.

Ein abschließender Gedanke

Wenn dich diese Themen immer wieder einholen,
ist das kein persönliches Scheitern.

Es ist ein Hinweis darauf,
dass es Zeit ist,
dich selbst nicht länger hinten anzustellen,
sondern dich mit derselben Ernsthaftigkeit zu betrachten,
mit der du dich um andere kümmerst.

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Elisabeth Kwauka, MA

Elisabeth Kwauka, MA, ist psychosoziale Beraterin und Coach mit Spezialisierung auf Innere Kind Arbeit. In ihrer Praxis in Wien begleitet sie Menschen darin, festgefahrene Muster zu durchbrechen, Selbstmitgefühl zu entwickeln und mit mehr Klarheit und mit neuer Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.