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Warum jedes „Ja“ auch ein „Nein“ ist.

Meine Tochter ist vor Kurzem zwei Jahre alt geworden. Ein Meilenstein voller Freude, Lachen und kleiner Wunder.

Ich schaue sie an und fühle diese tiefe, warme Liebe. Diese Gewissheit: Ja. Das war die richtige Entscheidung. Ich bin Mama und ich liebe es.

Und gleichzeitig – ganz leise, ganz im Hintergrund – ist da noch etwas anderes.

Eine Erkenntnis, die leise kam, aber mit großer Klarheit: Diese Entscheidung für mein jetziges Leben – so glücklich sie mich macht – bedeutet auch ein endgültiges „Nein“ zu anderen Lebensentwürfen. Zu Träumen und Vorstellungen, die nun keinen Platz mehr haben.

Jede große Entscheidung ist immer auch ein Abschied von einem anderen Weg.

Das ist keine Klage. Es ist einfach wahr. Lange habe ich gedacht: Das darf ich nicht fühlen. Ich habe alles, was ich mir gewünscht habe. Ich bin dankbar. Also was soll das sein? Diese leise Schwere manchmal?

Heute weiß ich: Das ist Trauer. Stille Trauer. Die Trauer um das ungelebte Leben.

Wenn ungelebte Träume leise flüstern

In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff, den Brené Brown sehr treffend beschreibt: Quiet Grief.

Das Tückische an dieser Trauer? Sie sieht nicht aus wie ein Begräbnis. Es gibt keine Blumen und keine Beileidskarten für den Job, den wir nie gewagt haben, oder die Risiken, die wir aus Angst nicht eingegangen sind.

Sie ist versteckt. Sie flüstert hinter der Fassade eines „guten Lebens“. Sie ist die Trauer um:

  • den Beruf, den wir nie gewählt haben

  • die Worte, die wir nie gesagt haben

  • die Risiken, die wir nie eingegangen sind

  • die Version von uns selbst, die wir uns einmal vorgestellt haben

Dankbarkeit und Trauer schließen sich nicht aus

Das war für mich persönlich eine der wichtigsten Erkenntnisse: Ich kann meine Tochter von ganzem Herzen lieben und gleichzeitig trauern, dass manche Dinge durch diese Entscheidung anders geworden sind.

Beides ist wahr. Beides darf sein.

Dankbarkeit bedeutet nicht, dass alles perfekt ist oder dass nichts fehlen darf. Du kannst das Leben, das du hast, lieben und trotzdem dem Leben, das du nicht gelebt hast, nachtrauern.

Das macht dich nicht undankbar. Es macht dich menschlich.

Dein Weg zu innerer Klarheit: verstehen. fühlen. loslassen.

In diesem Artikel erfährst du, wie du durch diesen dreistufigen Prozess die Last des Bedauerns ablegst und wieder Raum für das Hier und Jetzt schaffst.

1. Verstehen: Warum wir uns oft dafür schämen

Oft begegnet uns dieses Gefühl im Alltag als Neid, besonders beim Scrollen durch Social Media. Wir unterdrücken den Schmerz schnell mit Sätzen wie: „Ich sollte einfach dankbar sein. Andere haben es viel schwerer.“

Doch unterdrückte Trauer verschwindet nicht. Sie setzt sich fest wie Sediment am Grund eines Flusses – still, aber schwer. Und irgendwann macht sie alles ein bisschen trüber.

Strategie: Den Traum benennen Brené Brown betont: Wir können nicht heilen, was wir nicht anerkennen. Sage dir innerlich:

„Ich darf das Leben, das ich habe, lieben und trotzdem um den Teil trauern, den ich nicht gelebt habe.“

2. Fühlen: Die Last des Bedauerns zulassen

Wir behalten Sehnsüchte oft in den Winkeln unseres Herzens, weil es sich riskant anfühlt, sie auszusprechen. Doch Verleugnung schützt uns nicht, sie hält uns fest.

Die bewusste Pause: Was passiert, wenn wir die Trauer benennen? Es entsteht Erleichterung. Nicht, weil sich etwas ändert. Sondern weil die Trauer endlich gesehen wird. Weil sie nicht mehr im Dunkeln sitzen muss.

3. Loslassen: Verantwortung übernehmen und neu beginnen

Neu beginnen bedeutet nicht, zurückzugehen. Trauer schließt das Buch nicht, sie beendet manchmal nur ein Kapitel, damit ein neues beginnen kann.

Manchmal bedeutet loslassen, den Traum wirklich zu verabschieden, um mit freieren Händen zu schauen, was jetzt möglich ist. Manchmal bedeutet es aber auch, die Essenz eines alten Traums in neuer Form in das heutige Leben zu holen.

Frage dich nicht mehr „Was wäre wenn?“, sondern frage dich: „Was jetzt?“

  • Statt Perfektion: Welcher kleine, mutige Schritt ist heute möglich?

  • Statt Schweigen: Wer darf von deiner Sehnsucht erfahren, um die Scham zu lösen?

  • Statt Stillstand: Welche Entscheidung triffst du heute für dein zukünftiges Ich?

Du bist genug. Mit all deinen Geschichten

Sich die Erlaubnis zu geben, zu trauern und wieder neu zu beginnen, ist ein Akt der Selbstachtung und Selbstverantwortung. Wenn du merkst, dass da etwas in dir ist, das nie wirklich getrauert wurde wie zB eine Entscheidung oder eine Version von dir selbst, dann ist der erste Schritt kein Plan.

Der erste Schritt ist: benennen. fühlen. zulassen. Das alleine verändert etwas. Nicht sofort. Aber nachhaltig.

Ich bin Elisabeth. Coach für Innere Kindarbeit in Wien und online. Wenn du spürst, dass da etwas ist, das gesehen werden möchte – ich bin hier.

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Elisabeth Kwauka, MA

Elisabeth Kwauka, MA, ist psychosoziale Beraterin und Coach mit Spezialisierung auf Innere Kind Arbeit. In ihrer Praxis in Wien begleitet sie Menschen darin, festgefahrene Muster zu durchbrechen, Selbstmitgefühl zu entwickeln und mit mehr Klarheit und mit neuer Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.

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